Gaylen Gerber, Galerie Susanna Kulli, Zürich

Gaylen Gerber

8. bis 28. Mai 2010

In der Galerie Susanna Kulli, Dienerstrasse 21, CH-8004 Zürich

In seiner dritten Ausstellung in der Galerie Susanna Kulli zeigt der amerikanische Künstler Gaylen Gerber, (lebt und arbeitet in Chicago) fünf Arbeiten, die sich den Ausstellungsraum zu Nutze machen, um allzu geläufige Unterscheidungen zwischen Kunstobjekt und Kontext durcheinanderzubringen und unsere Aufmerksamkeit auf unsere optische Wahrnehmung zu lenken: Wie unterscheiden wir den Gegenstand unserer Betrachtung von seiner Umgebung?

Gerbers Interesse gilt Ideen rund um den Wahrnehmungsprozess und insbesondere der Rolle, die der Kontext in diesem Zusammenhang spielt. Seine Arbeiten bilden oftmals den kontextuellen Hintergrund, vor dem sich andere Künstler artikulieren. In dieser Ausstellung setzt Gerber seine Untersuchung der Rolle des kontextuellen Hintergrunds bei der Deutung von Kunst fort, stellt diesmal aber auch den Hintergrund im Wortsinn als Ausdruckselement in den Vordergrund. Gerber konzentriert sich typischerweise auf die normativen Aspekte von Bildsprachen: darauf, wie wir als Mitglieder einer gemeinsamen Kultur bestimmte Formen, Farben usw. als institutionell gegeben hinnehmen oder als neutrale und allgemein anerkannte Grundlage für selbstverständlich halten. Diese visuellen Standards dienen als Hintergrund für alle anderen Formen des Ausdrucks, auf den wir uns bei der Wahrnehmung von Differenz und der Produktion von Bedeutung verlassen. Gerbers Arbeiten sind oft so angeordnet, dass sie auf diese Beziehungen ein Schlaglicht werfen, indem sie die normativen Aspekte von Bildsprachen zur Darstellung bringen, die wegen ihrer „neutralen“ grauen Farbe zumeist unsichtbar sind oder deshalb, weil andere Ausdruckselemente als Figurationen zu ihnen als Hintergrund in Kontrast gesetzt werden.

In dieser Ausstellung zeigt Gerber eine Reihe von fotografischen Arbeiten, die jeweils den wolkenlosen Himmel eines sonnigen Tages zeigen. Die Bilder sind abbildhafte Darstellungen, erscheinen zugleich aber als Leerflächen und destabilisieren so die einfache Unterscheidung von Figur und Hintergrund. So ist in Untitled (Clear Sky) das fotografische Abbild des wolkenlosen Himmels beinahe nicht von entwickeltem Fotopapier zu unterscheiden. Von diesen Fotografien ausgehend, verwischt Gerber die Differenzen zwischen Figur und Hintergrund weiter, indem er weitere Bilder über einige der Fotos legt und so zugleich die implizite Neutralität des Hintergrunds in Frage stellt und die Veränderlichkeit und Bedingtheit des Verhältnisses von Ausdruckselement und Grund betont. Ausserdem bedient sich Gerber der Farbe der Plexiglasrahmen.

So ist, wenn wir versuchen, Clear Sky/Green Area, einen Ilfochromedruck, zu „sehen“, nicht sicher, ob die Farbe, die wir wahrnehmen, dem Bild angehört, dem Rahmen oder dem Raum rund um die Arbeit. Beinahe scheint es, als stünde für unsere Wahrnehmung und unser Auffassungsvermögen alles, nur nicht der wolkenlose Himmel, im Vordergrund – so der gesamte Ausstellungszusammenhang, der normalerweise den Hintergrund der Arbeit bilden würde. Andererseits ist, wenn wir uns auf die Arbeit konzentrieren, unklar, wo genau der Kontext endet und die Arbeit beginnt. Indem er unser Wahrnehmen steigert, gar verwirrt, führt Gerber uns auf eine individuelle körperlich-intensive Erfahrung zurück, die das einfache und schnelle Auffassen ausser Kraft setzt.

Um etwas überhaupt wahrzunehmen, muss man es zu allererst von seinem Hintergrund unterscheiden können.

Gaylen Gerber, geboren 1955 in McAllen, Texas, lebt und arbeitet in Chicago.

Ausgewählte Einzelausstellungen und Gruppenprojekte in jüngerer Zeit: im Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, Luxemburg (Luxemburg); im Art Institute of Chicago, Chicago (Illinois); im Neuen Museum Weserburg Bremen, Bremen (Deutschland); in der Kunsthalle Bern, Bern (Schweiz); und im FRAC Bourgogne und dem Musée des Beaux-Arts, Dijon (Frankreich).

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